Elfenbeinküste

Elfenbeinküste

17th Dezember 2018 2 Von Maxi Brommer

In der Elfenbeinküste weht ein anderer Wind, das merkt man schon an der Grenze. Die Polizei und das Militär sind sauber uniformiert und tragen ihre Kleidung den Vorschriften entsprechend. In den vorherigen Ländern hat man Offizielle auch gerne mal in Flipflops und Unterhemd gesehen.

Wir sind auf dem Weg nach Abidjan und müssen direkt nach der Grenze durch zwei kleinere Städte, in denen es in den letzten Wochen immer wieder massive Ausschreitungen der Bevölkerung gab. Der Mob zog durch die Straßen, Autos brannten, die Polizei griff hart durch und es gab jedes Mal einige Tote. 

Die letzten Tage ist es aber ruhig gewesen, wir müssen nur bei der lokalen Polizei vorstellig werden und uns registrieren lassen. Das einzige Vorkommnis ist ein zehn Jahre alter Junge, der wegen Handydiebstahls geschnappt wurde und vor unseren Augen in die Zelle gesperrt wird.

Wir machen Halt in der Hauptstadt Yamoussoukro, mein Auto ächzt und krächzt bei jeder Bodenwelle. Und davon gibt es auch in der Elfenbeinküste mehr als genug. Die letzten Wochen waren hart und kräftezehrend – für uns und auch für den Roten. An der hinteren Achse sind sämtliche Gummidämpfer auf ein Minimum „geschmolzen“, aber inzwischen sind Mechaniker für mich auch nicht schwieriger aufzutreiben, als Gemüse auf dem Markt.

Abidjan, immerhin Afrikas viertgrößte Stadt, ist laut und dreckig, wir bleiben an der Küste und treffen Kame. Der 45-jährige Franzose lebt schon seit zwanzig Jahren in der Elfenbeinküste und hat sich am Strand, etwa fünfzig Kilometer außerhalb der Stadt, ein kleines Surfcamp aufgebaut. Wir dürfen in seinem  Garten für lau campen, solange wir bei ihm im Restaurant essen. Was für ein Deal!

Jetzt ist es Zeit Abschied von Jan zu nehmen, er fliegt leider schon wieder nach München. Ein Tag später kommt Basti, wohl Münchens bester Surfer.

Ich hole ihn nachts vom Flughafen – nicht ganz ungefährlich. Ich bin auf dem Weg dorthin, an einer kleinen Straße blinken Taschenlampen am Wegrand auf und mein Auto wird blockiert. Schnellfeuerwaffen blitzen im Licht auf, sind es die Guten oder die Schlechten? 

Es ist eine Militäreinheit und da ich sie nicht wie gefordert besteche, durchsuchen sie mein Auto. Jede Box wird aufgemacht, jede Zigarettenschachtel geöffnet, selbst die Cremetuben in meinen Kulturbeutel werden auf ihren Inhalt untersucht. Ich bleibe ruhig und nach einer Stunde wird es auch ihnen zu anstrengend und sie geben auf. 

Basti, Matthias, der Schweizer Motorradfahrer und ich beantragen in Abidjan das Visum für Ghana. Vier Tage dauert es bis zur Ausstellung. 

Basti ist kaum zu sehen, er verbringt sechs bis sieben Stunden beim Surfen. 

Die Bedingungen sind schwierig, es ist windig, die Wellen brechen ständig an anderen Stellen oder sind gar nicht surfbar. In vier Tagen surfe ich zwei Wellen und reibe mir auf dem Board die Rippenbögen bis aufs Fleisch auf. 

Ansonsten tut es gut ein wenig zu entspannen, das Essen ist zwar teuer, aber lecker und europäisch. 

An unserem letzten Abend lädt uns Kame und französische Freunde von ihm in das nächste Dorf auf ein Bier ein. Es bleibt nicht bei einem und wird eine wilde Nacht, fernab westlicher Musik und fancy Drinks. Wir landen in einem Club, wahrscheinlich sind wir die ersten Weißen, die dort jemals waren. Es ist laut und wild und gibt ständig Schlägereien. Zum ersten Mal in meinem Leben, gehen wir ladylike nur zu zweit aufs Klo. Kame gibt zwei Kästen Bier aus und wir werden dafür in Ruhe gelassen.

Am nächsten Tag holen wir unsere Visa, übernachten in Abidjan bei der ivorischen Oma eines Freundes von Basti und fahren am Morgen Richtung Ghana. 

Es wird der letzte Tag zusammen mit Matthias sein. Er hat kein Visum für Nigeria und der einzige Ort, an dem man es in Afrika beantragen kann, ist in Burkina Faso.