Gambia

Gambia

28th November 2018 2 Von Maxi Brommer

Die Einreise nach Gambia verläuft nahezu reibungslos. Was für ein Luxus – keiner will Geld und uns abziehen. In der ehemaligen Kolonie Englands geht es gemütlich zu. Das Land ist klein und die Leute freundlich, nicht umsonst wird Gambia „the smiling coast“ genannt. Matze freut sich ebenfalls, es wird englisch gesprochen und er kann sich auch wieder verständigen.

Dass die Leute hier aber auch anders können, bewiesen sie vor knapp einem Jahr, als das kleine Land plötzlich kurz vor einem schweren Bürgerkrieg stand. Der alternde Präsident, mehr eine Art Diktator, der jahrzehntelang die Opposition und die Pressefreiheit unterdrückte, trat auch nach der Wahlniederlage nicht ab. Das trieb die gambische Bevölkerung wochenlangen zu großen Demonstration auf die Straße. Die Folge war, dass das Militär schwer bewaffnete Straßensperren errichtete und die ausländischen Botschaften ihre Staatsangehörigen evakuieren ließen. Der Senegal, die lokale Großmacht im Westafrika, marschierte mit seinen Truppen in Gambia ein, um das Ausbrechen eines Bürgerkrieges zu verhindern. Mit Erfolg – Gambias geschasster Präsident flüchtete ins Exil nach Äquatorialguinea, allerdings nicht ohne davor die gesamte Staatskasse zu mitzunehmen und sämtliche seiner Luxuskarossen außer Landes zu bringen.

Ich lerne Charlotte und Max kennen, ein niederländisches Pärchen, reisend in einem alten Toyota Landcruiser. Sie sind ein paar Jahre jünger als ich und haben Job, Wohnung und sämtliche Verpflichtungen in Europa auf unbestimmte Zeit hinter sich gelassen. Matze und ich amüsieren uns prächtig, erinnern die beiden uns doch sehr an ein uns bekanntes deutsches Pärchen. Nach zwei Tagen stößt noch Matthias, ein Schweizer Motorradfahrer, zu uns. Er ist alleine unterwegs und hat all seine Habseligkeiten auf seine BMW800 gepackt und ist schon seit 6 Monaten unterwegs. Mit den beiden Holländern und dem Schweizer bilde ich für die nächsten Tage eine kleine Fahrgemeinschaft. Zusammen erkunden wir die Südküste Gambias, der Sand der Sahara liegt nun schon weit hinter uns, die Regenzeit ist gerade vorüber und lässt das kleine Land wie einen Regenwald ergrünen.

Mit Matthias, dem Schweizer, besuche ich das Qualifikationsspiel der Gambier für den nächsten Afrika-Cup. Es geht gegen Benin und Gambia braucht dringend einen Sieg um das vorzeitige Ausscheiden zu verhindern. Das Stadion wird von grimmigen Polizisten mit langen Schlagstöcken abgesichert, aber als sie mein Auto sehen, dürfen wir trotzdem direkt unter der Tribüne parken. Für umgerechnet drei Euro bekommen wir einen Platz auf der Haupttribüne.

Oftmals kommt es bei afrikanischen Länderspielen zu Massenpaniken in den völlig überfüllten Stadien. In Gambia geht es allerdings deutlich ruhiger zu und als Benin Ende der ersten Halbzeit in Führung geht, scheinen die sonst so enthusiastischen Zuschauer total zu resignieren. Nach der Halbzeit fällt der Ausgleich und die anschließende Führung bringt das Stadion völlig zum beben. Am Ende fällt nach einem Konter sogar das 3:1 und die Zuschauer stehen Kopf. Wildfremde Männer fallen uns um den Hals und Verkäuferinnen, die gerade noch kühles Wasser und Melonen verkauft haben, scheinen ihre Ware und ihren Beruf auf einmal vergessen zu haben. Matthias und ich stauen uns durch die komplett verstopften Straßen kopfschüttelnd und lachend zu unserem Schlafplatz zurück.

Inzwischen habe ich einige kleinere Verluste zu beklagen, die ich mir vorgenommen habe, in diesen ruhigen Tagen, aufzuarbeiten. Dazu zählt ein kaputter Campingstuhl (irreparabel), ein Loch im Zufuhrschlauch des Kompressors (Max repariert ihn mir), zwei verlorene Schlüssel für das Dachzelt und die Stauboxen (zum Glück habe ich Ersatz) und ein nicht mehr funktionierender Kocher (eigenhändig repariert). Ich führe die Holländer in die hohe Kunst des Backgammon ein, wir kochen und campen zusammen mit Matthias. Die weißen Stränden Gambias sind in dieser Gegend leer und wild und die Fischern und die sonst so neugierigen Kindern, lassen uns in Ruhe unser Lager aufschlagen. Mit Matthias beschließe ich für die nächste Zeit zusammen zu reisen. Mindestens bis Ghana deckt sich unsere Reiseroute, während die Holländern unser Reisetempo nicht mitgehen wollen und in Gambia verbleiben.

Mein Münchner Freund Matze ist jetzt schon seit fast einer Woche wieder zurück in Deutschland, aber mein alter Freundeskreis lässt mich nicht lange alleine, Jan hat seine Anreise als einer der ersten geplant und fliegt von New York über Brüssel und Dakar nach Banjul ein. Was für ein Trip für ihn und was für ein Kulturschock. Jetset vom allerfeinsten. Von -5 Grad und Schnee, zu 35 Grad und tropischen Gefilden. Es ist schon spät als er todmüde auf der winzigen Landebahn in Banjul aufsetzt. Die nächsten Tage versprechen anstrengend zu werden, denn wir haben drei Grenzen zu passieren. Von Gambia geht es über die Casamance, Senegals südlichen Zipfel, nach Guinea-Bissau und dort nach Guinea. Direkt vor dem Grenzübergang in den Senegal bietet uns die letzte Polizeistation Schutz und Herberge und lässt uns hinter ihrer Wache blitzschnell einschlafen.